www.gisro.de








< < zurück zur Hauptseite

Fotografieren im Sommer

Ein Bild braucht Licht und für stimmungsvolle Fotos muss das Licht stimmen. Da es im Sommer mindestens 15 Stunden lang hell ist, solltet Ihr verstehen, wie sich das Licht auf Ihre Bilder auswirkt.

Die goldenen Stunden

In der Tageslichfotografie gelten nur zwei Tageslichtstunden als besonders − die Stunde vor dem Sonnenaufgang und die Stunde vor dem Sonnenuntergang. Diese zwei Stunden nennt man in der Fotografie die goldenen, oder auch blaue Stunden.

Sonnenaufgang Bei Sonnenauf − und Untergängen steht die Sonne nahe über dem Horizont. Daher legen die Sonnenstrahlen einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurück, als wenn die Sonne hoch im Zenit steht. Daher wirkt das Licht frühmorgens und spätabends wesentlich wärmer − durch diesen goldenen Schimmer werden Motive wie Landschaften oder Gebäude verschönert.

Ihren Namen hat die goldene / blaue Stunde von der tiefblauen Färbung des klaren Himmels in dieser Zeit. Verursacht wird das tiefe Blau nicht durch die Rayleigh-Streuung, die für das Himmelsblau während des Tages verantwortlich ist. Im Gegenteil: Während eines Sonnenuntergangs wird der kurzwellige blaue Anteil des Sonnenlichts auf dem langen Weg durch die Erdatmosphäre herausgestreut.

Dieses Phänomen wurde von dem US-amerikanischen Geophysiker Edward Hulburt (18901982) entdeckt und wird die Blaue Stunde des Ozons genannt. Tatsächlich wird der blaue Himmel bei Sonnenauf- und untergang vor allem durch das Vorhandensein der Ozonschicht in 20 bis 30 Kilometer Höhe über dem Erdboden verursacht. Edward Hulburt konnte nachweisen, dass das Himmelsblau im Zenit während des Sonnenuntergangs nur zu einem Drittel auf der Rayleigh-Streuung, aber zu zwei Dritteln auf dem speziellen Absorptionsverhalten des Ozons beruht. In der Dämmerung wird dagegen das blaue Licht des Himmels vollständig durch die Ozonschicht verursacht.

Physikalisch beschreibt die Farbtemperatur die geänderten Beleuchtungsverhältnisse. Während die Sonne eine Farbtemperatur von ca. 5500 K hat, beträgt die des blauen Himmels zwischen 9000 K und 12000 K. Dadurch erscheint das aufgenommene Bild wärmer. Am Tage mischen sich diese beiden Lichtquellen zum typischen Tageslicht mit einer Farbtemperatur von 6500 K. In der blauen Stunde entfällt das direkte Sonnenlicht, übrig bleibt das Himmelsblau.

Ihr habt etwa 45 bis 60 Minuten − je nachdem, wo Ihr euch auf der Welt befindet. In der Nähe des Äquators geht die Sonne schneller auf und das goldene Licht hält weniger als eine Stunde. Wenn Euer Standpunkt in der Nähe der Pole ist hebt sich die Sonne zeitweise kaum über den Horizont und die goldene Stunde dauert den ganzen Tag. Unter folgenden Link findet Ihr eine Seite, mit der Ihr die goldene / blaue Stunde berechnen könnt: goldene/blaue Stunde berechnen

Alternativ könnt Ihr aber zu einer späteren Tageszeit die goldene Stunde nachempfinden, indem Ihr einen blassorangen Filter an das Objektiv anschraubt.

Schattenspiele

Die niedrig stehende Sonne am frühen Morgen wirft nicht nur wärmeres Licht, sondern auch lange Schatten. Das hebt rauhe Oberflächenstrukturen hervor, besonders an den Vorderseiten von Gebäuden, Monumenten und Statuen. Auch Berg - und Feldlandschaften profitieren von einem flachen Lichtwinkel.

Je höher die Sonne dann aufsteigt, um so kürzer und schärfer werden die Schatten und damit aber in der Regel weniger attraktiv. Um diese harten Schatten zu eliminieren − die besonders unter den Augen auffallen − aktiviert den Blitz an der Kamera. Dadurch erreicht Ihr eine gleichmäßigere Ausleuchtung des zu fotografierenden Objektes. Zu späteren Tageszeiten müsst Ihr Euer Motiv möglicherweise im Schatten positionieren, um einem Blinzeln der Person vorzubeugen und für weicheres Licht zu sorgen.

Lichtveränderungen

Die Lichtqualität verändert sich im Verlauf des Tages. Sonnenlicht hat nicht nur in den goldenen Stunden, sondern auch am frühen Morgen und am späten Nachmitteg eine warme Farbe, obwohl sie da weniger intensiv ist. Helles Mittagslicht hat viel mehr Blauanteile und ist wesentlich kontrastreicher. Es erzeugt unschöne, kurze Schatten. Eine Wolkendecke entschärft diese Effekte und sorgt für gleichmäßigeres Licht.

Zudem bewegt sich die Sonne im Tagesverlauf scheinbar über den Himmel, sodass die Vorderseite eines Gebäudes vielleicht morgens im Schatten liegt und nachmittags von der Sonne angestrahlt wird. Richtung und Einfallswinkel der Sonne hängen von der Jahreszeit ab. Es gibt Tabellen und Rechner, die solche Informationen für jede Tageszeit und jeden Breiten − und Längengrad angeben.

Innerhalb einer organisierten Reise habet Ihr vielleicht nur wenige Minuten Zeit zum Fotografieren. Wenn Ihr jedoch einige Tage am selben Ort bleiben, lohnt es sich, zu verschiedenen Tageszeiten zu den Selben Motiven zurückzukehren und zu sehen, ob sie durch ein verändertes Lichtverhältnis fotogener geworden sind.

Weißabgleich

Lichttemperaturen Ein Maßstab für die Lichtfarbe ist die Licht-temperatur. Sie spielt in der Digitalfotografie eine sehr wichtige Rolle, Euch dürfte aber Begriff "Weißabgleich" geläufiger ist.

Das menschliche Auge und das Gehirn passen sich Veränderungen der Lichtfarbe sehr gut an. Ein Stück weiße Pappe erscheint weiß, auch wenn Ihr die Pappe Outdoor im Tageslicht (bläulich) oder Indoor im Kunstlicht (gelblich) betrachtet.

Kameras sind leider weniger anpassungs-fähig. Hier ist ein "Abgleich" zur Anpassung an die Farbtemperatur des vorherrschenden Lichts nötig. Über den Sensor in Deiner Kamera ist der Abgleich einer Vielzahl von Farbtemperaturen per Knopfdruck möglich. Es gibt unter anderem folgende Einstellungen: "Tageslicht", "Schatten", "Bewölkt", "Kunstlicht", "Leuchtstoffröhrenlicht", "Blitzlicht", "Unterwasser" aber auch "Benutzerdefiniert".

Wie Du siehst, gibt es drei Tageslichteinstellungen, "Tageslicht", "Schatten" und "Bewölkt". Das liegt daran, dass die Farbtemperatur des Lichts bei Schatten oder Bewölkung anders ist. Für den Blitz gibt es eigene Einstellungen, obwohl die meisten Blitzgeräte so eingestellt sind, dass sie die Farbtemperatur des Tageslichts erzeugen.

Die Farbtemperaturen werden in Kelvin oder K gemessen. Die Werte für die Fotografie reichen von 1000 K (Kerzenlicht) bis ca. 10.000 K (sehr blauer Himmel). Tageslicht hat ca. 5000 bis 5500 K; Kunstlicht ca. 2700 K; Sonnenlicht am frühen Morgen und späten Abend ca. 3000 bis 3500 K. Siehe auch: Fotografie und Licht

Sonnenblenden und Filter

Die Sonnenblende wird vorne am Objektiv angebracht und verhindert das seitliche Einfallen hellen Lichts. Wenn solches Licht in das vordere Linsenelement einfällt, kann es im Bild einen Reflexionsfleck erzeugen. Sehr starke Reflexionsflecken ergeben unschöne Streifen im Bild, doch Reflexionen können auch Kontrastverlust im gesamten Bild bedeuten.

Filter ermöglichen der Kamera, ihren Bildern Effekte hinzuzufügen. Am nützlichsten ist der Polfilter zur Intensivierung der Himmelsfarben an einem hellen Sonnentag, wobei alles andere unverändert bleibt. Dies funktioniert jedoch nur, wenn sich die Sonne im rechten Winkel zum Filter befindet. Es eignet sich also zum Fotografieren des Horizonts, wenn die Sonne hoch steht.

Auch ein UV (ultraviolett)-Filter auf dem Objektiv der Kamera wäre sinnvoll. Ultraviolette Strahlen sind für das menschliche Auge nicht sichtbar, können jedoch dazu führen, dass das Foto verschwommen ist. UV − Strahlung nimmt bei steigender Höhe zu, also solltest Du Dir einen solchen Filter zulegen, wenn Du in den Bergen bist. UV − Filter sind auch als Schutz des vorderen Linsenelements beliebt. Ein Filter lässt sich kostengünstiger ersetzen als ein verkratztes Linsenelement.



¤      ¤      ¤      ¤      ¤      ¤      ¤      ¤      ¤      ¤      ¤      ¤